OEM

SEAT S.A. Martorell



Begründung der Jury

Das Werk Martorell hat in den vergangenen fünf Jahren eine der größten Transformationen seiner Geschichte durchlaufen. Produkte, Anlagen, Prozesse und Qualifikationen wurden auf die Elektromobilität ausgerichtet. Die besondere Leistung des Standorts liegt jedoch nicht allein in den technischen Veränderungen. Entscheidend ist, dass SEAT die Transformation als gemeinsame Aufgabe der gesamten Belegschaft verstanden hat.

Das Management hat frühzeitig vermittelt, warum der Wandel notwendig ist und welche Perspektive sich daraus für den Standort ergibt. Die Mitarbeitenden wurden aktiv eingebunden, übernehmen Verantwortung und bringen ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Werks ein. Dadurch ist ein gemeinsames Verständnis entstanden, das weit über einzelne Projekte hinausgeht.

Eine wichtige Grundlage ist die umfassende Vorbereitung der gesamten Organisation auf die Transformation. Das gesamte Unternehmen wurde auf die Anforderungen der Elektromobilität ausgerichtet. Das Programm verbindet technische Inhalte zur Elektrifizierung mit Digitalisierung, Automatisierung und einem neuen Verständnis von Zusammenarbeit und Veränderung. Praktische Trainings, digitale Formate und Lernen am Arbeitsplatz ermöglichen zugleich einen flexiblen Einsatz der Mitarbeiter über die drei Produktionslinien hinweg.

Ein besonders sichtbares Ergebnis der Transformation ist die neue Batteriefertigung. Von der grundlegenden Projektentscheidung im Juni 2023 bis zum Serienstart standen lediglich 33 Monate zur Verfügung. Produktentwicklung, Planung der Montagelinie, Bau der Halle und Vorbereitung der Produktion mussten weitgehend parallel erfolgen. Damit hat Martorell innerhalb kürzester Zeit ein vollständig neues Technologiefeld industrialisiert.

Möglich wurde dies durch eine enge bereichsübergreifende Zusammenarbeit, den Austausch mit anderen Batteriewerken des Volkswagen Konzerns und einen systematischen Kompetenzaufbau. Die Batteriefertigung steht damit beispielhaft für die kulturelle Transformation des gesamten Standorts.

Diese Vorbereitung zeigt sich auch im Anlauf der neuen Elektromodelle. Trotz der Größe und Komplexität des Vorhabens verlief der Hochlauf vergleichsweise ruhig und kontrolliert. Sämtliche Qualitäts- und Reifegradabsicherungen wurden konsequent durchlaufen. Auch eine Verzögerung bei der Softwarebereitstellung konnte durch eine enge bereichsübergreifende Abstimmung innerhalb des Urban-EV-Projekts aufgefangen werden. Der ruhige Anlauf zeigt wie gut der Standort darauf vorbereitet war, unerwartete Ereignisse frühzeitig zu erkennen und gemeinsam zu lösen.

Unterstützt wird die Transformation durch ein Produktionssystem, das Strategie und tägliche Arbeit miteinander verbindet. Martorell hat dieses System bewusst schlank gehalten und nützt im Wesentlichen nur 18 Bausteine, die das Werk verständlich aufbereitet hat. So wird Lean-Wissen nicht nur Spezialisten, sondern der gesamten Organisation zugänglich gemacht.

Diese Haltung ist im gesamten Werk zu erkennen. Martorell beantwortet Herausforderungen nicht reflexartig mit hohen Investitionen, sondern beginnt mit dem Verständnis und der Vereinfachung des Prozesses. Erst danach wird entschieden, ob und ggf. welche technische Unterstützung notwendig ist. Das Spektrum reicht von einfachen mechanischen Hilfsmitteln, ergonomischen Bereitstellungen und kostengünstigen digitalen Anwendungen bis zu automatisierten Qualitätsprüfungen und gezielt eingesetzter künstlicher Intelligenz.

Bestehende Technik wird intelligent kombiniert, Anwendungen werden vereinheitlicht und Lösungen möglichst modular sowie nah am Arbeitsplatz gestaltet. Automatisierung kommt vor allem dort zum Einsatz, wo Bauteilgewicht, Taktzeit, Qualität oder Arbeitssicherheit dies erfordern.

Die Summe dieser Verbesserungen macht die besondere Stärke des Standorts aus. Allein 2025 und in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 wurden mehr als 360 Arbeitsplätze ergonomisch verbessert und Einsparungen von insgesamt knapp einer Mio. € erreicht. Digitale Werkzeuge schaffen Transparenz und eine gemeinsame Datenbasis. Virtuelle Absicherungen ermöglichen es zudem, Herstellbarkeit, Ergonomie und Arbeitsabläufe bereits lange vor dem Serienstart zu überprüfen und das notwendige Wissen frühzeitig in die Organisation zu bringen.

Bemerkenswert ist dabei die bodenständige Haltung des Standorts. Fortschritt entsteht nicht durch einzelne Leuchtturmprojekte, sondern durch eine Organisation, die kontinuierlich lernt, Wissen teilt und gemeinsam an besseren Prozessen arbeitet.

Für diese herausragende Verbindung aus kulturellem Wandel, konsequenter Lean-Ausrichtung, flexibler Produktion und pragmatisch eingesetzten Technologien erhält das Werk SEAT Martorell den Automotive Lean Production Award 2026 in der Kategorie „OEM“.



Das Werk

SEAT S.A. ist ein spanischer Automobilhersteller mit Hauptsitz in Martorell und gehört zum Volkswagen Konzern. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Fahrzeuge der Marken SEAT und CUPRA. Mit seinen Produktionsstandorten in Martorell, Barcelona und El Prat de Llobregat bildet SEAT S.A. einen wichtigen Bestandteil der spanischen Automobilindustrie. Das Unternehmen verbindet die langjährige Erfahrung der Marke SEAT mit dem dynamischen Wachstum von CUPRA und übernimmt innerhalb des Volkswagen Konzerns eine zentrale Rolle bei der Transformation zur Elektromobilität.

Das Werk Martorell liegt rund 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona und ist die Hauptproduktionsstätte von SEAT S.A. Auf drei Produktionslinien fertigt der Standort Fahrzeuge verschiedener Marken und Modelle. Gleichzeitig befindet sich Martorell im Hochlauf der neuen elektrischen Urban-EV-Familie des Volkswagen Konzerns. Dazu gehören insbesondere der CUPRA Raval und der Volkswagen ID. Polo.

Martorell übernimmt innerhalb des Volkswagen Konzerns erstmals die Verantwortung als Cluster Lead für die Industrialisierung einer neuen Fahrzeugfamilie. Die Transformation umfasst neue Fahrzeugkonzepte, umfangreiche Veränderungen in Presswerk, Karosseriebau, Lackierei und Montage sowie den Aufbau einer eigenen Fertigung für Hochvoltbatterien. Gleichzeitig muss die laufende Produktion zuverlässig weitergeführt und flexibel an die Kundennachfrage angepasst werden.

Anschrift
SEAT S.A.
Autovia A-2, Km 585
08760 Martorell
Spanien

Produkte
Seat Ibiza, Arona, Leon und Leon ST; Cupra Formentor, Leon, Leon ST und Raval; VW ID Polo

Mitarbeiter
Ca. 9.900

Umsatz
15115 Mio €


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