
Das MAN Trucks Werk Krakau zeigt mit dem Digital Use Case „AI BOOST for new parts parametrization“, wie Künstliche Intelligenz gezielt zur Lösung eines konkreten operativen Problems eingesetzt werden kann. Ausgangspunkt war ein hochgradig manueller und zeitintensiver Parametrisierungsprozess für neue und zu aktualisierende Sachnummern. Damit war der Prozess nicht nur ressourcenintensiv, sondern auch anfällig für menschliche Fehler.
Die Ursachen lagen vor allem in technischen Schnittstellenbegrenzungen, fehlender Prozessautomatisierung und einer hohen Parameterkomplexität. Interdependente Parameter mussten wiederholt erfasst werden. Zusätzlich erforderte der Prozess häufiges Wechseln zwischen verschiedenen Systemmasken. Dadurch entstanden Medienbrüche, wiederkehrende manuelle Tätigkeiten und vermeidbare Prozessverluste
Mit dem Ziel, die Parametrisierungszeit um mindestens 30 Prozent zu reduzieren, repetitive Tätigkeiten zu automatisieren und ein KI-basiertes Werkzeug für die Steuerdatenumgebung zu entwickeln, startete das Werk die Zusammenarbeit mit seinem Gegenstück in München (MAN Zentrale) und dem MAN Digital Hub. Gemeinsam wurde ein auf die Anforderungen des Standorts zugeschnittenes KI-Modell entwickelt, eine Web-Applikation für das Modelltraining aufgebaut und ein neuer Parametrisierungsprozess auf Basis eines dedizierten KI-Tools eingeführt
Die technische Lösung verbindet Machine Learning mit domänenspezifischem Regelwissen. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Multi-Model-Ensemble mit dynamischer Confidence-Bewertung, eine verkettete Multi-Target-Prediction, ein automatisierter Retraining-Prozess mit Modellversionierung und Bewertungskriterien sowie eine Feedback-Schleife auf Basis geprüfter Vorhersagedaten. Die Web-App macht Eingabedaten, vorhergesagte Parameterwerte, Confidence-Level und Rückmeldungen transparent und unterstützt damit eine nachvollziehbare Mensch-KI-Zusammenarbeit.
Besonders überzeugend ist, dass die Lösung nicht als isoliertes Digitalisierungsprojekt umgesetzt wurde, sondern direkt einen Engpass im Wertstrom beseitigt. Neue SNRs können nun regelmäßiger und simultan parametrisiert werden. Der Prozess wird beschleunigt, Fehler werden reduziert und Mitarbeitende werden von wiederkehrenden manuellen Tätigkeiten entlastet.
Die erzielten Ergebnisse übertreffen das definierte Ziel: Durch die Einführung des KI-Tools konnte die Parametrisierungszeit bisher um 40 Prozent reduziert werden. Zudem wird die Modellvorhersagegenauigkeit immer besser. Gleichzeitig wurden Zukunftskompetenzen im Umgang mit KI-Modellen aufgebaut und ein belastbarer Standard für die Parameterisierung neuer SNRs geschaffen.
Damit zeigt das Werk, wie Lean und Digitalisierung zusammenwirken können: stabile Prozesse, klare Standards und eine lernfähige digitale Lösung verbessern Geschwindigkeit, Qualität und Wiederholbarkeit zugleich. Das Projekt verdeutlicht den starken Einfluss des MAN-Produktionssystems (MNPS) auf diesen digitalen Anwendungsfall und trägt zu allen fünf MNPS-Prinzipien bei.
Auch hinsichtlich Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit überzeugt der Use Case. Das KI-Tool verbessert seine Qualität durch die Analyse neuer Daten und automatische Verfeinerung über die Zeit. Es bestehen Potenziale zur Nutzung in weiteren Bereichen, in denen Parameter gesetzt werden müssen. Im Erfahrungsaustausch werden die gewonnenen Erkenntnisse weitergegeben, und so lassen sich potenzielle weitere Anwendungsfelder erschließen.
Der Digital Use Case von MAN Trucks Plant Krakau verbindet einen klaren operativen Bedarf mit einer technisch anspruchsvollen und praxisnahen KI-Lösung. Die Lösung reduziert manuelle Aufwände, verbessert die Prozessqualität, schafft Transparenz über die Qualität der KI-Vorhersagen und ermöglicht einen kontinuierlichen Lernprozess. Für diese herausragende Verbindung von Lean, Künstlicher Intelligenz und nachhaltiger Prozessverbesserung erhält MAN Trucks Sp. z o.o., Werk Krakau, den Automotive Lean Production Award 2026 in der Kategorie „Digital Use Case“.

Die MAN Truck & Bus SE ist einer der führenden Nutzfahrzeughersteller Europas und Anbieter von Transportlösungen. Als Teil der TRATON GROUP entwickelt und produziert das Unternehmen Lkw, Busse, Transporter, Motoren und digitale Mobilitätsdienste. Auch im Jahr 2025 konzentrierte sich MAN weiterhin auf den Wandel der Transportbranche durch Investitionen in Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung und emissionsfreie Technologien. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 13,7 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 33.000 Mitarbeiter, die Kunden in ganz Europa und auf internationalen Märkten betreuen.
Das MAN Trucks Krakau-Werk in Niepołomice bei Krakau ist die größte Lkw-Produktionsstätte innerhalb des MAN-Fertigungsnetzwerks in Europa und eines der modernsten Lkw-Montagewerke weltweit. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 spielt der Standort eine Schlüsselrolle bei der Belieferung von Kunden in ganz Europa und auf anderen internationalen Märkten mit MAN-Fahrzeugen. Im Jahr 2025 beschäftigt das Werk rund 3.850 Mitarbeiter und produziert alle MAN-Lkw-Baureihen, von leichten Verteilerfahrzeugen bis hin zu schweren Fernverkehrs-Lkw. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage führte das Werk einen Dreischichtbetrieb ein und steigerte die Produktion auf rund 225 Lkw pro Tag, bei einer technischen Kapazität von bis zu 300 Fahrzeugen täglich. Im Jahr 2025 überschritt der Standort die Marke von 350.000 produzierten Lkw und unterstrich damit seine strategische Bedeutung für das europäische Produktionsnetzwerk von MAN.
Adresse
ul. Dr Rudolfa Diesla 1
32-005 Niepołomice Polen
Produkte
MAN TGX-, TGS-, TGM- und TGL-Lkw; maßgeschneiderte Fahrzeuge über das Truck Modification Center (TMC)
Mitarbeiter*innen
Ca. 3,850 (inkl. Zeitarbeitskräfte)
Kongressorganisation
Tel. +49 89 44 388 99 22
lean.award(at)agamus.com
© 2026 Agamus Consult GmbH und Automobil Produktion