Neuer Award: Digital Use Case

Volkswagen Autoeuropa



Begründung der Jury

Das „Digital Use Cases 2022“ hat die Jury im Werk Volkswagen Autoeuropa in Portugal, „The Home of T-Roc“ gefunden.

Der Road Test Predictor ist eine bei Volkswagen Autoeuropa innerhalb der digitalen Produktionsplattform entwickelte Anwendung, die eine zuverlässige Vorhersage des Ergebnisses des Roadtests - der letzte Qualitätskontrollpunkt vor der Qualitätsfreigabe und anschließender Übergabe an den Kunden - unter Verwendung von Echtzeit-Produktionsdaten entlang der Inhouse-Prozesskette ab Karosseriebau zum Ziel hat.

100 % der Fahrzeuge durchliefen bisher vor der Auslieferung an das Vertriebsnetzwerk einen finalen Test: der Straßentest. Beim Fahren auf unterschiedlichen Belägen in Kombination mit unterschiedlichen Fahrsituationen prüfen erfahrene Mitarbeiter, ob ein Fahrzeug in seiner Gesamtfügung Fehlerbilder ausweist. Diese „Live Tests“ erhöhen die Kosten pro Fahrzeug nicht unwesentlich und belasten die CO₂-Bilanz.

Die primäre Zielsetzung des Projektes besteht darin, die Prognosezuverlässigkeit so zu steigern, dass Schritt-für-Schritt der Anteil der Fahrzeuge, die diesen Test durchlaufen müssen, gesenkt werden kann, ohne die Beanstandungen im Feld zu erhöhen. Als Sekundärziel sollen darüber hinaus noch Erkenntnisse gewonnen werden, um die Prozesse besser zu verstehen und optimieren zu können.

Die Idee ist einfach und genial zugleich, ist aber ein großer Schritt in der Nutzung von Big Data/Predictive Analysis für die Optimierung von Prozessen. Im Produktionsprozess eines Fahrzeuges wird eine große Menge an Daten generiert. Lässt sich daraus ein Muster erkennen, das eine Vorhersage über die Ergebnisse des Roadtests in wenigen Sekunden ermöglicht? Das war die Herausforderung, die sich Mitarbeiter von Volkswagen Autoeuropa in Zusammenarbeit mit Partnern wie z.B. HabberTec gestellt haben.

Die Anwendung wurde durch eine Reihe an Innovationen innerhalb des Volkswagen Konzerns ermöglicht, wie eine skalierbare technische Infrastruktur oder die Konnektivität zwischen Shopfloor und Cloud.

Die Entwicklung des Roadtest Predictors erfolgte in drei Schritten: 1) Verstehen der Ist-Daten, 2) Aufbereitung der Ist-Daten für Schritt 3, 3) Modellierung, Bewertung und Auswahl des Prognosemodells.

Als Basis wurden 160.000 Fahrzeuge mit ca. 20.000 Daten aus dem Produktionsprozess herangezogen (z.B. Verschraubungsdrehmoment und -winkel, Messpunkte). Nach einer intensiven Validierungsphase ist der Road Test Predictor im November 2021 zum ersten Mal live gegangen.

Wie sieht dies im konkreten Prozessablauf aus? Nach dem letzten Prüfschritt ZP7 erhält der Mitarbeiter innerhalb von 40 Sekunden vom Road Test Predictor die Entscheidung, ob der Road Test durchzuführen ist. Derzeit brauchen damit schon 10 % der Testfahrten nicht mehr durchgeführt werden. Durch die Erschließung weiterer Datenquellen sowie die stetige Weiterentwicklung wird dieser Anteil stetig steigen. Das Werk Autoeuropa setzt sich zum Ziel, diesen Anteil auf 30 % zu erhöhen.

Mit der Entwicklung des Road Test Predictors leistet Volkswagen Autoeuropaeinen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Volkswagen Konzerns, da die Lösung als APP über die „Digitale Produktionsplattform“ bereitgestellt wird. Weitere Werke befinden sich bereits in der Pilotierungsphase. Durch den Rollout wird auch das Modell mit weiteren Daten gefüttert und die Prognosezuverlässigkeit wird sich dadurch stetig erhöhen. Zudem wurden mit dem Projekt Innovationen für weitere Digitalisierungs-projekte für die Gruppe (z.B. Wassertest) geschaffen, die auch im Lead von anderen Marken oder Werken des Volkswagen Konzerns entwickelt werden können.

Die Jury sieht im Road Test Predictor ein inspirierendes digitales Projekt für die gesamte Fahrzeugbranche. Für den Volkswagen Konzern bietet das Projekt ein hohes Reduzierungspotenzial bei Kosten und einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO₂-Emissionen.  Die Jury freut sich auf die Weiterentwicklung des Road Test Predictors aus dem Hause Volkswagen Autoeuropa.

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